Ahnenforschung – ein Hobby für die Freizeit im Ruhestand

 

Nicht jeder hat genügend Hobbys, um beim Eintritt in den Ruhestand die neue Freizeit mit sinnvoller Tätigkeit auszufüllen. Oft möchte man auch etwas ganz Neues beginnen oder man interessiert sich auf einmal für die Herkunft der Familie. Man  will wissen, wo die Wurzeln sind und wie in der Vergangenheit die Familienmitglieder das alltägliche Leben gemeistert haben.
Jetzt im Herbst werden die Tage länger und es bietet sich an in den Fotoalben zu kramen.
Erstaunt wird man feststellen, dass man viele der Personen, obwohl diese meist enge Verwandte sind, nicht mehr kennt. Oft nicht einmal den Namen und den Anlass für das Foto zuordnen kann. Problematisch wird es dann, wenn keiner auf den Fotos hinten Vermerke hinterlassen hat.
Ins Grübeln kommt man dann, wenn man mit den Kindern und Enkeln eine Exkursion in die eigene Familiengeschichte mit den Fotoalben unternehmen möchte.
Nehmen wir an, Sie möchten beginnen die Wurzeln der Familie zu suchen, also Ahnenforschung betreiben bzw. Hobbygenealoge werden. Was ist zunächst zu tun?

 

Mein Opa Oswald Kolditz (mütterlicherseits); Kaiserliches Wachregiment um 1910

Zunächst sollte man alles das im eigenen Haushalt suchen, was an Urkunden und Fotos, vielleicht auch Briefen und Ansichtskarten von den Eltern, Großeltern und weiteren Verwandten vorhanden ist.
Eine sehr weit zurückführende Quelle sind Ahnenpässe, -tafeln und -nachweise aus der Zeit des 3. Reiches. Diese Listen vielfach die Vorfahren bis ins 18. Jahrhundert auf. Diese musste man damals bei Heirat oder Bewerbung bei Behörden, Armee, Polizei oder in einem staatsnahen Betrieb wie Post, Bahn u. a. vorlegen.
Hat man einige dieser Unterlagen vorliegen, sollte man sich eine erste Übersicht verschaffen, indem man sich die Namen notiert. Die direkten Verwandten wie Eltern und Großeltern, deren Geschwister usw. sind meist bekannt.
Dabei hat sich ein Schema wie die Ahnentafel bewährt, die man in verschiedener Weise mit dem PC bearbeiten kann, aber auch zunächst auf einem Stück Papier.
Bei der Ahnentafel beginnt man zunächst in erster Ebene mit einem Probanden. Das sind meist die Kinder bzw. das Kind.
Danach folgt die 1. Generation mit den Eltern, 2. Generation mit den Großeltern, 3. Generation mit den Urgroßeltern, 4. Generation sind die Ururgroßeltern usw.
Hier hält man zunächst auch die wichtigsten Lebensdaten fest: Geburtsdatum und -ort,  Sterbedatum und -ort, Heiratsdatum und -ort. Weitergehende Hinweise finden Sie im Internet bei der Google-Suche. Ein recht bedienungsfreundliches Programm zur Datenpflege und Aufbau einer Ahnentafel, die man später auch ausdrucken kann, ist das kostenlose ahnenblatt.de  (Version 2.98).  Hier kann man auch Fotos einpflegen. Von diesen wie auch anderen Anbietern gibt es auch kostenpflichtige Versionen.

 

Opa Albin Pechstein (väterlicherseits); Als Soldat um 1906; Kaserne Riesa

Hat man alle vorhandenen Daten zu einer Übersicht zusammengefasst, wird man bald erkennen, wo Daten fehlen, wo es erforderlich ist eine weitergehende Recherche durchzuführen. Dazu führt in den meisten Fällen der Weg in das Standesamt bzw. Stadtarchiv oder zum Kirchenarchiv.
Vorher sollte man jedoch mit den Mitarbeitern Kontakt aufnehmen, um zu klären, ob dort eine Recherche möglich ist. In den letzten Jahren gibt es verstärkt Anstrengungen die Daten zu digitalisieren. Damit ist eine Recherche in vielen Fällen nur noch in zentralen Kirchenarchiven (z. B. Landeskirchenarchiv Eisenach oder Landeskirchliches Archiv Stuttgart), auf der Plattform archion.de und natürlich in den örtlichen bis hin zu den Staatsarchiven möglich. Dabei ist u. a. das Staatsarchiv Sachsen interessant, weil hier (vielleicht auch in anderen Archiven) Zweitschriften von Kirchenbüchern und diverse Nachlässe und Forschungsergebnisse früherer Familienforscher und Genealogen einzusehen sind.
Doch bevor man diesen Schritt geht, sollte man die näheren Verwandten befragen, deren Urkunden sichten und sich über deren Erinnerungen weitere Hinweise zur Familie und deren Vorfahren beschaffen.
Es ist heute kein Problem mehr, mit einer Digitalkamera oder sogar Smartphone Kopien von den Urkunden und Fotos zu machen, ohne etwas zu beschädigen.
In diesen Gesprächen dringt man oft sehr weit in die Familiengeschichte ein, erfährt Details zum Leben der Vorfahren und mancher kann auch die fehlenden Namen der Personen auf den historischen Fotos in den eigenen Alben ergänzen. Es ist gut, wenn man auch Fotos, die die anzusprechenden Verwandten interessieren könnten, mitnimmt.

 

Mit diesen ersten Hinweisen möchte ich es bewenden lassen, sollte dieser kleine Aufsatz doch nur dazu dienen, das Interesse für die Familienforschung zu wecken. Gern bin ich bereit Fragen zu beantworten, die die ersten Schritte erleichtern.
Das Internet bietet heute eine Vielzahl Möglichkeiten der Recherche und des Austausches zwischen den Ahnenforschern und denen, die es werden wollen.
Wichtiger Grundsatz unter den Ahnenforschern ist, dass man bereit ist anderen Hilfe zu leisten und dafür auch Unterstützung zu erhalten. Ein interessantes Forum zur Hilfe und zum Austausch  ist u.a. ahnenforschung.net.
Wie überall muss aber auch vor Betrügern im Internet gewarnt werden, die für Geld viel versprechen, aber oft nichts als Gegenwert liefern.
Ich würde mich freuen, wenn ich bei dem einen oder anderen die Neugier auf die Herkunft und das Leben der Familie in den vergangenen Jahrhunderten wecken konnte. Nutzen Sie die langen Herbst- und Winterabende zu einem Streifzug durch die Geschichte, indem Sie mit Ihren Kindern und Enkeln in den Fotoalben stöbern. Sie werden sich wundern, mit welchen Fragen Sie konfrontiert werden und die nicht sofort zu beantworten sind.
In jedem Fall kann ich aus meiner Erfahrung sagen: Ist man erst einmal mit dem Virus der Ahnenforschung infiziert, will man immer weiter zu den Wurzeln der Familie vordringen. Ich kann versichern: Manche überraschende Erkenntnis wird auf Sie warten.
Ich wünsche Ihnen auf dem Weg in die Familiengeschichte viel Erfolg und vor allem Spaß. Wie ich bereits sagte, gern beantworte ich Fragen und helfe, wenn ich es kann.

 

Kontakt bitte über meine Homepage: pechsteins-buecher.jimdo.com

 

Zu meiner Person:

Gerd Pechstein; Recherche im Kirchenarchiv

Meine ersten Schritte zur Ahnenforschung tat ich um 1975, doch erst als ich Rentner wurde, widmete ich mich diesem Hobby stärker. Ich verband es mit meiner Liebe zur Geschichte und dem Schreiben.
Inzwischen habe ich drei Familienchroniken geschrieben, einmal zur Familie Metzger („Das unbekannte Leben meines Vaters“), zur Familie Kolditz („Unsere Familie Kolditz“)  und der Familie Pechstein („Unsere Familie Pechstein“). Die letzten beiden Chroniken nur für die Familienmitglieder.
Verbunden mit der Familienforschung ist oft die Erforschung der Herkunft, der Ersterwähnung, der Bedeutung u. a. des Familiennamens. Auch dies bringt oft unerwartete Ergebnisse.
Nach fast 15 Jahren intensiver Forschung habe ich die Ergebnisse zu den Namen Pechstein und Bechstein vor einigen Monaten in dem Buch „Ein Pechstein auf dem Pechstein saß und dachte über ‚Pechstein‘ nach“ zusammengefasst und veröffentlicht. In dem Buch gibt es auch Hinweise dazu, wie ich zur Ahnenforschung gekommen bin und welche Fehler ich am Anfang machte, die man aber vermeiden kann.
Des Weiteren veröffentlichte ich Reiseerzählungen über Fuerteventura.

 

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