Demenz gehört zu den häufigsten Erkrankungen im Alter – warum ist das so?

Demenz - Erkennung und Therapie für Senioren

 

Alois Alzheimer, geboren 1864 in Frankfurt und verstorben 1915, war Mediziner mit großem Interesse an der Hirnforschung. Auguste Deter war seine bekannteste Patientin, die der Arzt über einen längeren Zeitraum beobachtet hat. Er stellte bei ihr eine Gedächtnisschwäche fest, die sich rasch verschlimmerte. Zu der auffälligen Gedächtnisschwäche kamen Desorientiertheit und Halluzinationen dazu. Aufgrund dieser Erkrankung verstarb die Dame mit 55 Jahren. Dieses Krankheitsbild wiederholte sich bei anderen Patienten – Alzheimer diagnostizierte einen zunehmenden körperlichen und geistigen Verfall der Betroffenen. Der Mediziner obduzierte einige der Patienten und stellte fest, dass die Hirnrinde viel dünner war, als das üblich der Fall ist. Des Weiteren beobachtete er, dass sich Ablagerungen im Gehirn gebildet hatten. Bislang war diese Krankheit unbeachtet und bekam nun, nach ihrem Entdecker und Erstbeschreiber, den Namen Alzheimer-Krankheit. Es handelte sich hierbei um eine Form der Demenz. Das Wort Demenz wird aus dem Latinischen abgeleitet und bedeutet so viel wie: „de“ = ohne und „menz“ = Verstand. „Ohne Verstand“ also die wörtliche Übersetzung. Schon den Römern war dieses Krankheitsbild bekannt. Juvenal, ein römischer Dichter, hat ca. 60 n. Chr. gelebt und gebraucht nachweislich in eine seiner Textstellen den Begriff „Demenz“. Er beklagte, dass der Kaiser Domitians seine Freunde, die eigenen Kinder und Diener nicht mehr erkennen würde. Diese Äußerung wurde vom Kaiser mit Verbannung bestraft.

 

Vergesslichkeit im Alter ist nicht gleichbedeutend mit Demenz – Sie kann aber ein Vorbote sein

 

Schauen wir uns unsere biologische Seite an, gehört unser körperlicher Abbau ja zu einem ganz normalen Alterungsprozess. Altern wir, treten körperliche Veränderungen, wie beispielsweise die Faltenbildung auf, unsere Sinnesorgane funktionieren eingeschränkter und der Bewegungsapparat verliert an Elastizität. Auch die Gehirnmasse wird nachweislich weniger. Medizinisch wird das damit erklärt, dass die Nervenzellen aufgrund des Alters abnehmen. Verbunden mit diesen Veränderungen ist der Hirnstoffwechsel nicht mehr so aktiv, wie er einmal war. Und weil der Stoffwechsel im Gehirn nicht mehr auf volle Leistung geht, bekommen ältere Menschen es meist mit kognitiven, psychomotorischen oder Funktionseinschränkungen auf emotionaler Ebene zu tun. Die gerade beschriebene erhöhte Vergesslichkeit gehört also zu einem normalen Alterungsprozess. Im Alltag äußert sich das dann so, dass Kleinigkeiten vergessen werden. Das kann sein, dass einem der Nachname von einem Bekannten entfallen ist oder man die oft benutzte PIN-Nummer der EC-Karte vergessen hat. Vergesslichkeit kommt übrigens in jeder Altersgruppe vor, die Häufigkeit nimmt im Alter einfach etwas zu.

 

Demenzerkrankungen zeigen sich in vielen Symptomen

 

Wo liegt also der Unterschied von einem normal alternden Menschen zu einem demenziell erkrankten?

 

Handelt es sich hierbei aber um eine Demenz, um hier den Unterschied zu verdeutlichen, lässt nicht nur die Fähigkeit sich zu erinnern nach. Die Gehirnleistung von Dementen ist sehr stark eingeschränkt, so dass diese nicht mehr in der Lage sind, ihren normalen täglichen Verrichtungen nach zu kommen. Menschen, die an Demenz leiden, finden sich in ihrem Alltag nicht mehr zurecht. Vergesslichkeit im Alter kann ein Vorbote für eine beginnende Demenz sein, muss es aber nicht.
Fallbeispiel: Frau M. merkt, dass sie seit einiger Zeit vergesslich ist. Beispielsweise hat sie ihre Nachbarin an ein und demselben Tag nach dem Datum gefragt, an dem das Seniorentreffen ist. Und sie hat sich häufiger verlaufen, als sie von der wohnungsnahen Straßenbahnhaltestelle den Heimweg angetreten hat. Sie fragt ihr Umfeld immer mal wieder welcher Monat denn eigentlich ist. Oder sie fragt nach ihrem verstorbenen Mann, erinnert sich aber daran, dass er nicht mehr bei ihr ist, wenn sie das Trauerbild an der Wand entdeckt. Frau M. leidet auch unter plötzlich auftretenden Ärgergefühlen, erkennt aber keinen Grund dafür.
„Diagnose“: Frau M. Hat Gedächtnis- und Erinnerungsstörungen (wiederholte Frage nach dem Seniorentreffen und Frage nach ihrem Mann). Desorientiertheit (welcher Monat ist und findet den Heimweg nicht). Ein Kontrollverlust der Emotionen (sie weiß nicht, wo der Ärger herkommt).
Da die Intensität und die Häufigkeit der Symptome eine altersbedingte Vergesslichkeit überschreiten, liegt die Vermutung nahe, dass Frau M. an einer Demenz leidet. Während vor ein paar Jahren noch ca. 50 Arten von Demenz gab, sind mittlerweile über 160 Mischformen bekannt.

 

Demenz frühzeitig erkennen und behandeln lassen

 

Welche Arten von Demenz gibt es und wie äußern sich diese? Gibt es geeignete Therapien?

Hier sei vorweg erwähnt, dass der Begriff Demenz nie eine spezifische Krankheit darstellt, sondern es sich hierbei um ein Syndrom handelt. Unter einem Syndrom wiederum verstehen wir eine Kombination von Symptomen, sprich Krankheitszeichen. Folgende Demenzerkrankungen gibt es zurzeit:

  • Alzheimer
  • Vaskuläre-Demenz
  • Frontotemporale-Demenz
  • Parkinson-Demenz
  • Korsakow-Syndrom
  • Lewy-Body-Demenz

Die Alzheimer Demenz ist die häufigste Art der Demenz und nimmt prozentual einen derzeitigen Stellenwert von 60 bis 70% ein. Diese neurodegenerative Erkrankung tritt meist bei Patienten auf, die das 65. Lebensjahr vollendet haben – die Erkrankung beginnt schleichend und endet mit dem körperlichen und geistigen Verfall des Betroffenen. Gehirnzellen sterben unwiederbringlich ab. Endstadium ist die Bettlägerigkeit und der tödlich verlaufende Leidensweg dauert ungefähr sieben Jahre.

Die Vaskuläre Demenz tritt eher plötzlich auf und lässt sich auf Durchblutungsstörungen und kleinen Schlaganfällen im Gehirn zurückführen. Ist der Auslöser beispielsweise ein Unfall, kann bei rascher Behandlung der Mensch wieder fast vollständig heilen. Aterienverkalkungen können Auslöser sein oder Bluthochdruck. Aber auch Diabetes und Adipositas gelten als Risikofaktoren.

Bei der Frontotemporalen Demenz steht die Symptomatik im Vordergrund, dass der Mensch es meist extrem mit einer Veränderungen der Persönlichkeit und seines Verhaltens zu tun bekommt. Gedächtnisleistungen sind zunächst nicht betroffen. Für Angehörige ist dies wohl mit die schwerste Herausforderung mit dieser Art Erkrankung umzugehen. Schon 40 Jährige kann es Treffen. Die Stirnlappen und Schläfenlappen des Gehirns werden zerstört.

Die Parkinson-Demenz ensteht, wenn es am Botenstoff Dopamin mangelt. Das Gehirn benötigt das für die Steuerung von Bewegungsabläufen. Meist sind ältere Menschen betroffen. Die Erkrankung Morbus Parkinson geht voraus.

Das Korsakow-Syndrom gilt als eine Form der Amnesie, also Gedächtnisstörung. Betroffene verlieren die Fähigkeit neue Informationen zu speichern. Die häufigste Ursache dieses Syndroms ist ein jahrelanger Alkoholmissbrauch. Auch schwere Kopfverletzungen können zu dieser Erkrankung führen.

Die Lewy-Body-Demenz zeichnet sich durch Sinnestäuschungen aus. Sie ähnelt der Alzheimer Krankheit und ist nicht heilbar. Eiweißverklumpungen im Gehirn führen zu schleichenden Ausfallerscheinungen. Die Erkrankung ist ebenfalls der Parkinson-Demenz ähnlich, schreitet aber rascher fort.

 

Damit die Ursache für Symptome einer eventuellen Demenz erforscht werden können, ist es wichtig, dass der Betroffene sich in internistische oder neurologische Behandlung begibt. Start ist eine Anamnese = Erfassung der medizinischen Daten durch den Arzt. Eine entnommene Blutprobe zeigt eventuelle Veränderungen an. Nervenwasser kann entnommen werden, um Abnormitäten festzustellen. Ein EKG gibt Aufschluss über Herzrhythmusstörungen. Durch ein EEG erfolgt die Hirnstrommessung. Doppler- und Duplexsonografie stellt Veränderungen an den Gefäßen fest. Kernspintomografie stellt das Gehirn bildlich da. Es erfolgt eine Verlaufsbeobachtung und Erfassung des Schweregrades durch die Ärzte.

 

Es gibt bis heute keine offiziell anerkannte Prophylaxe, die eine Demenz verhindern kann. Soziale Kontakte und Bewegung können helfen. Den Geist auf trapp halten (zum Beispiel mit Gehirnjogging), eine ausgewogene Ernährung und sinnvolle Beschäftigungen sind wichtig.

 

Wenn der Verdacht aufkommt, dass sich beispielsweise bei einem Familienangehörigen Symptome einer Demenz ausgebildet haben, ist es wichtig, dass ein Gespräch mit dem Hausarzt geführt wird. Vielleicht erfolgt dann eine baldige Einlieferung in ein Krankenhaus. Eine schnellstmögliche Behandlung muss vonstattengehen. Meist ist die Demenz nicht heilbar und die Ursachen unklar. Medikamente können helfen, die Leiden zu verzögern und den Alltag etwas zu erleichtern.
Ergotherapeuten sind ausgebildet für demenzielle Erkrankungen und bieten Konzepte an. Wichtig sind die Ressourcen der Betroffenen – diese gilt es zu halten und zu fördern.

 

Angehörige sollten sich nicht scheuen, bei Verdacht oder Diagnose, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Diese bietet auch die nächste Pflegestützstelle oder regionale Alzheimergesellschaft an.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.